Mitarbeiter oft krank im Handwerk: Was du bei Krankmeldungen verlangen darfst, wann Zweifel möglich sind und wo arbeitsrechtliche Grenzen liegen.

Eine Krankmeldung anzweifeln geht nicht aus dem Bauch heraus. Du brauchst dokumentierte Auffälligkeiten, klare Meldepflichten, sachliche Gespräche und bei konkreten Zweifeln den Weg über die Krankenkasse.
Wenn ein Mitarbeiter auffällig oft montags krank ist, kurz vor dem Urlaub ausfällt oder regelmäßig an Brückentagen fehlt, wird es im Betrieb schnell emotional. Gerade im Handwerk reißt jede kurzfristige Krankmeldung Lücken in Kolonnen, Termine und Kundenversprechen. Trotzdem gilt: Krank ist krank. Du brauchst einen sauberen, rechtlich vorsichtigen Weg.
Der erste Schritt ist nicht Misstrauen, sondern Ordnung. Dokumentiere Fehlzeiten, Muster, Einsatzplanung und Kommunikation. Nur so kannst du später sachlich prüfen, ob es echte Auffälligkeiten gibt oder ob dein Bauchgefühl dich täuscht.
Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz muss der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitteilen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, ist grundsätzlich eine ärztliche Bescheinigung nötig. Du darfst die Vorlage aber auch früher verlangen.
In der Praxis sollte deine Regel im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsanweisung oder im Mitarbeiterhandbuch stehen: Bis wann muss die Krankmeldung kommen? An wen? Telefonisch, digital oder per App? Wer ruft die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab? Je klarer der Ablauf, desto weniger Streit über Formalien.
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat hohen Beweiswert. Du kannst sie nicht einfach ignorieren, weil der Montag ungünstig ist. Es braucht konkrete Umstände. § 275 SGB V nennt als Beispiele auffällig häufige oder kurze Arbeitsunfähigkeiten sowie häufige Beginne am Anfang oder Ende einer Woche. In solchen Fällen kannst du als Arbeitgeber verlangen, dass die Krankenkasse eine gutachtliche Stellungnahme des Medizinischen Dienstes einholt. Viele sagen noch MDK, korrekt ist heute Medizinischer Dienst.
Auch die Rechtsprechung kennt Fälle, in denen der Beweiswert erschüttert sein kann, zum Beispiel bei passgenauen Krankmeldungen während einer Kündigungsfrist und anschließendem neuen Job. Das bleibt aber eine Einzelfallprüfung.
About the author
Magazin-Team · beeBAAHM
Das Magazin-Team mit Fokus auf praxisnahe Guides und klare Empfehlungen.
Theory is over, time for action. With beeBAAHM, you get relevant requests from your region and manage everything in one place: from quotes and scheduling to the job and invoicing. Professional, digital and straightforward for you and your customers.
Setze niemanden öffentlich unter Druck. Frage nicht nach Diagnosen. Drohe nicht pauschal mit Kündigung. Und schicke keine Kollegen los, um jemanden zu kontrollieren. Solche Aktionen zerstören Vertrauen und können rechtlich nach hinten losgehen.
Stattdessen brauchst du klare Stufen:
Fehlzeiten objektiv erfassen.
Formale Meldepflichten konsequent einfordern.
Rückkehrgespräch sachlich führen.
Bei konkreten Zweifeln die Krankenkasse einschalten.
Vor arbeitsrechtlichen Maßnahmen juristischen Rat einholen.
Ein Rückkehrgespräch ist kein Verhör. Es soll klären, ob der Arbeitsplatz eine Rolle spielt, ob Belastungen bestehen und wie die Einsatzplanung stabiler werden kann. Gute Fragen sind offen: "Gibt es etwas im Einsatz, das wir organisatorisch verbessern können?" oder "Was brauchst du, damit der Wiedereinstieg klappt?"
Bei häufigen Erkrankungen kann auch betriebliches Eingliederungsmanagement relevant werden. Spätestens dann solltest du strukturiert und datensparsam arbeiten.
Dauer-Krankmeldungen belasten kleine Betriebe massiv. Trotzdem gewinnst du nichts, wenn du aus Ärger falsch reagierst. Rechtssicherer ist ein nüchterner Ablauf aus Dokumentation, klaren Meldewegen, Rückkehrgesprächen und der richtigen Einschaltung der Krankenkasse bei konkreten Zweifeln.
Wichtig ist, dass du Muster belegbar erkennst und gleichzeitig sauber mit Gesundheitsdaten umgehst. So bleibst du handlungsfähig, ohne aus Frust arbeitsrechtliche Risiken zu produzieren.